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Aschenberg Fulda: Was ist dran am Brennpunkt-Image?

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Schlägereien, Drogen, Perspektivlosigkeit: Es gab Zeiten, in denen drohte der Aschenberg in Fulda, ein sozialer Brennpunkt zu werden. Seitdem hat sich viel getan. Einige Probleme bleiben jedoch.

Von Sascha-Pascal Schimmel und Joscha Reinheimer für move36-Reportage.de


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Hochhäuser

“Straßenschlacht mit Russlanddeutschen.” “Bewohner des Aschenbergs haben Angst vor brutalen Banden. “ In der Nacht zum 1. Mai 1999 droht die Stimmung auf dem Aschenberg zu kippen. Nach einem Streit im Lokal “Gipfelstürmer” schlägt eine Gruppe von etwa 20 Russlanddeutschen sechs Fuldaer in der Arleser Straße zusammen. Fünf erleiden teils schwere Kopfverletzungen, einer schwebt zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Aus Angst wird Wirtin Patricia Hofmann ihr Lokal nie wieder öffnen. Das Sommerfest auf dem Aschenberg wird abgesagt.

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Aschenberg Fulda

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Mehrgenerationenhaus
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Bürgerhaus

Ein Zusammenhalt, zu dem das MGH beiträgt. “Hier ist immer etwas los”, sagt Lisa. “Zum Beispiel gibt es Länderabende. Die Leute lernen dort durch Vorträge und landestypisches Essen andere Länder kennen.”

Ansonsten gibt es im MGH Theater- und Tanzgruppen, Deutschkurse und Unterstützung für Familien. Ein paar Aschenberger sind dennoch nicht ganz zufrieden. “Die beschweren sich darüber, dass hier angeblich nur Russisch gesprochen wird”, sagt Lisa. “Stimmt nicht.”

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Aschenberg Fulda

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Aschenberg Fulda
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Brennpunkt

Eines ist nicht zu leugnen: Auf dem Aschenberg sind viele Menschen auf Unterstützung angewiesen. Bei einem Anteil von 13 Prozent an der Bevölkerung Fuldas leben in dem Viertel 20 Prozent aller Fuldaer, die Leistungen nach SGB II beziehen - Hartz IV also.

Es ist davon auszugehen, dass die meisten der gut 1100 Hartz-IV-Empfänger des Aschenbergs zu den knapp 2850 Plateaubewohnern gehören. Sie leben in einem der Hochhäuser beziehungsweise weiteren Mehrgeschössern.

Über eines der Hochhäuser schreibt dessen Eigentümerin, die Amadeus Group aus Limburg, dass dort die meisten Bewohner in sozial schwächeren bis prekären Verhältnissen leben würden.

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Brennpunkt

Das Hochhaus ist aktuell das Problemhaus auf dem Aschenberg. 70 Wohnungen verteilen sich auf 14 Etagen. Seit ein paar Jahren vermiesen wenige Mieter dem Großteil der Bewohner die Freude an ihrem Zuhause.

Die Wände im Treppenhaus sind mit schwarzer Farbe beschmiert. Eine Glasscheibe im Eingangsbereich wird regelmäßig zerstört. Vergangenes Jahr fiel monatelang einer der beiden Aufzüge aus. Zwischenzeitlich eine Woche lang beide. Vandalismus. Steuerelemente und Lichtschranke waren zerstört worden. Eine gehbehinderte Bewohnerin aus dem 14 Stock konnte eine Woche lang das Haus nicht verlassen. Ihren Physiotherapietermin musste sie absagen. Zum Glück hatte sie genügend Lebensmittel im Haus.

Und immer wieder finden Bewohner Urinlachen auf den Fluren und in den Liftkabinen. Jugendliche betrinken sich regelmäßig im Treppenhaus. Sie sind laut, machen Dreck. 2015 gipfelte eines der Besäufnisse darin, dass im Treppenhaus ein Sofa abfackelte.

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Adenauerstraße 7

Amadeus möchte das nicht auf sich sitzen lassen. Der Hausmeister sei nicht nur einmal die Woche vor Ort, heißt es vom Unternehmen. Vielmehr sei er, neben einer Stunde donnerstags, dienstags den ganzen Tag da. Zudem gebe es viermal die Woche Kontrollgänge.

Dass auch einmal ein Lehrling, der für das Haus zuständigen Teamleiterin zuarbeitet, bestätigt Amadeus. Einen tage- oder wochenlangen Ausfall des Lichts im Treppenhaus könne sich das Unternehmen jedoch nicht vorstellen.

Das Unternehmen schreibt, dass es vor der Übernahme gewusst habe, dass es sich um eine Wohnanlage in einem schwierigen Umfeld handele. Über den größten Teil der Mieter habe man dennoch nur Gutes zu berichten. “Von der kriminellen Energie einer nicht greifbaren Gruppe an Mietern sind wir aber überrascht.”

Amadeus wünscht sich eine Initiative der Stadt, "bei der Hauseigentümer, Ordnungskräfte, Sozialarbeiter und Mietervertreter gemeinsam an einer Löstung arbeiten würden".

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Brennpunkt

Dass die Bewohner des Plateaus nicht einfach warten, bis ihnen endlich jemand hilft, zeigt das sogenannte Worldcafé. Am 10. März haben sich knapp 40 Bewohner des Viertels und Menschen, die dort aktiv sind, getroffen und diskutiert. Was gefällt mir am Aschenberg? Was wünsche ich mir für den Aschenberg? Wie möchte ich mich künftig engagieren?

Das Resultat: Den Plateaubewohnern ist es wichtig, aktiv an einem sauberen Stadtteil zu arbeiten. Sie wünschen sich, dass sich die Organisationen, die auf dem Aschenberg aktiv sind, besser vernetzen. Und sie wollen, dass der SV Aschenberg United endlich einen Sportplatz bekommt, auf dem er seine Ligaheimspiele austragen darf.

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SV Aschenberg United

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Fußball Fulda

Für den Aschenberg ist der SVA mehr als ein Sportverein. Hervorgegangen ist er aus der Idee zweier Streetworker und einiger Jugendlicher, um die diese sich gekümmert haben. Sie haben vorher zusammen auf dem Fußballfeld auf dem Aschenberg gekickt. Irgendwann dachten sie: Warum nicht einen eigenen Verein gründen?

Bei United spielen viele junge Männer mit Migrationshintergrund. Einige kamen in den vergangenen Jahren aus Krisengebieten in Afrika und dem Nahen Osten nach Fulda. Durch den Verein gelingt ihnen die Integration in ihre neue Heimat.

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Brennpunkt

Integration ist auch an der Bonifatiusschule am Fuße des Aschenbergs ein großes Thema. Insgesamt besuchen 380 Kinder die Grundschule. Sie stammen aus unterschiedlichen sozialen Umfeldern, haben verschiedene kulturelle Hintergründe und unterscheiden sich teils stark in dem, was sie zu leisten in der Lage sind. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule versuchen, jedem Kind gerecht zu werden, auf seine Stärken und Schwächen einzugehen. "Keine leichte Aufgabe", sagt Konrektorin Sonja Wollrath.

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Aschenberg Fulda Grundschule
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Brennpunkt

Erfolge, zu denen auch die Betruung der Schule beiträgt. Dort kommen Kinder verschiedenen Alters unter. Zwischen 7.30 Uhr und 16 Uhr kümmert sich permanent jemand um sie. Falls der Unterricht einmal später beginnt, während Freistunden und vor AGs am Nachmittag.

Um 12 Uhr gibt es Mittagessen. Vier Euro kostet das, bedürftige Familien zahlen weniger. Danach beginnt die Hausaufgabenbetreuung. Wer fertig ist, kann sich in einem der Themenräume selbständig und mit anderen Kindern beschäftigen. Lesen, mit Lego spielen, turnen oder klettern.

"Wir wollen die Kinder zu möglichst selbständigen Menschen erziehen", sagt Betreuungsleiterin Michaela Kämpf.

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Ganztagsschule

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Brennpunkt

Der Miniclub erleichtert es Müttern, auf dem Aschenberg anzukommen. Jennifer zählt zu ihnen. Die 30-Jährige wohnt seit Ende 2017 mit ihren zwei Kindern auf dem Plateau. "Vor dem Umzug hatte ich schon ein paar Hintergedanken", sagt sie. "Meine Mutter meinte, hier sei es gefährlich. Das hat sich aber nicht bestätigt."

"Durch den Miniclub habe ich schnell Anschluss gefunden", sagt Jennifer. "Und auf dem Aschenberg trifft man immer jemanden mit Kind." Zudem gefallen der 30-Jährigen die Angebote von Kirche und Mehrgenerationenhaus. Theaterkurse und Nachmittagsbetreuung zum Beispiel.

"Ich würde hier erst einmal nicht wegziehen."

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