Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Im Schatten des Doms: Die Geschichte eines der größten Schätze Fuldas

Logo http://pageflow.move36-reportage.de/im-schatten-des-doms-die-geschichte-eines-der-grossten-schatze-fuldas

Im Schatten des Doms

Eine Kirche in Fulda hütet ein Geheimnis. Bis heute weiß niemand so recht, wozu ihre unterirdischen Kammern dienten. Die Michaelskirche steht im Schatten des Doms – und doch birgt sie historische und künstlerische Schätze.

Von Sascha-Pascal Schimmel für move36-Reportage

Schnellnavigation

Schroff und unbeugsam
Grundriss der Michaelskirche
Die Krypta
Verborgenes Obergeschoss






Zum Anfang
Schroff und unbeugsam thront die Kirche auf dem Michaelsberg in Fulda. Ihr unebenes Gemäuer verleiht ihr die Wehrhaftigkeit einer Festung. Im Schatten des Doms mit seiner glatten Fassade und der prächtigen Kuppel wirkt die Kirche wie dessen unscheinbare Stiefschwester.

Doch hinter den massiven Mauern der Michaelskirche verbirgt sich ein wahrer Schatz – einer der größten in Fulda – und ein mystischer Ort. Um ihn rankt sich ein Geheimnis.
Zum Anfang
Ihre raue Schale verdankt die Kirche der Epoche, in der sie entstand. Anders als heute, waren Kriege, Raubüberfälle und Hungersnöte für die Menschen in Europa während des Frühmittelalters stetige Begleiter.

Es lag daher nahe, eine Kirche einer Festung, eines Zufluchtsortes gleich zu bauen. Unter Abt Eigil hatte der Bau 819 als Totenkapelle auf dem Mönchsfriedhof, dem heutigen Michaelsberg begonnen. Am 15. Januar 822 weihte Erzbischof Haistulf von Mainz die Kapelle zu Ehren des Erzengels Michael – fast 900 Jahre vor der Fertigstellung des Fuldaer Doms im Jahr 1712.
Zum Anfang

Michaelskirche streckt sich zu einem Kreuz aus















Zeichnung: Bistum Fulda

Zum Anfang
Als Vorbild der Michaelskirche diente die Grabeskirche in Jerusalem, die sich an der überlieferten Stelle der Ruhestätte von Jesus Christus befindet. Sie ist eine der ältesten Nachbildungen der Grabeskirche in Deutschland.

Ursprünglich bestand die Kapelle auf dem Michaelsberg lediglich aus einem Rundbau inklusive unterirdischer Krypta sowie einem rechteckigen Anbau im Osten. „In der Mitte des Erdgeschosses befand sich ab etwa 1093 eine Nachbildung des Grabes Christi“, sagt Kaplan Florian Böth.

Nun steht an selber Stelle ein Altar – und die ehemals Runde Kapelle hat sich zu einem Kreuz ausgestreckt. Glockenturm, Langhaus im West- sowie Rochuskapelle im Nordteil ergänzen heute den Rundbau.
Zum Anfang
Zuvor erschüttern Kriege die Kirche, zerstören sie zweimal zu großen Teilen. Vermutlich zwischen 915 und 937 wird die Michaelskapelle bis auf die Krypta zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Mehr als 1000 Jahre später zertrümmern Bomben 1945 das Gemäuer der Kirche. Drei Jahre später erstrahlt sie in neuem Glanz.

Unter allen Kirchen in Fulda hat sie eine Sonderstellung. „Die gesamte Raumwirkung ist etwas Besonderes“, sagt Kaplan Böth. „Mir fällt es hier leicht, ruhig zu werden.“
Zum Anfang
Wer 2016 das Langhaus der Michaelskirche durch die massive Eisentür des Hauptportals betritt, dem strahlt der Rundbau warm in orange-gelbem Licht entgegen. Dessen runde Wände zierten früher prächtige Fresken. Heute sind die meisten verschwunden und nicht wiederherzustellen, wie Kaplan Böth sagt.

Nur eine Malerei ist noch exakt zu erkennen. Über einem Bogen am östlichen Ende der Kapelle sind St. Michael und seine Engel zu sehen, die die Seelen der Gerechten vor Christus bringen. Die Freskomalerei stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde bei der Renovierung 1936/1937 freigelegt.
Zum Anfang
Besonders imposant sind die Säulen, die den Altar im Rundbau einkreisen und sich gegen die Decke stemmen. Sie symbolisieren die acht Seligpreisungen – die ersten Worte Jesu in der Bergpredigt des Matthäusevangeliums. Jesus preist hier Menschen selig, die nach irdischen Maßstäben oft als im Leben „zu kurz Gekommene“ bezeichnet werden.
Die Passion Christi in der Michaelskirche

Nördlich des Altars gewährt ein Rundbogen einen Blick auf die Seitenkapelle St. Rochus. Sie entstand im ersten Fünftel des 18. Jahrhunderts und gleicht einem Schmuckkästchen. Bänke stehen dort Spalier vor dem kunstvoll holzgeschnitzten Barockalter mit seinen goldenen Verzierungen, die sich kräuseln. Er zeigt unter anderem St. Rochus, den Schutzpatron der Pestkranken.

Ihm schräg gegenüber erweckt eine Sandsteintafel aus dem 14. Oder 15. Jahrhundert die Passion Christi zum Leben. Jesus ist dort zu sehen, wie er an der Geißelsäule gefesselt ist. Links neben ihm steht Maria, die Hände gefaltet und ein kleines Schwert im Herzen.

(Foto: Bistum Fulda)

Zum Anfang
Ein Hauch von Mystik wehte im Mai 2015 durch die Michaelskirche: Der Deutsche Tempelherren-Orden hielt sein Generalkapitel in Fulda ab und ernannte sechs Mitglieder zu Rittern.
Zum Anfang
Öffnungszeiten
1. April bis 31. Oktober: Täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
1. November bis 31. März: Täglich: 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr

Die Michaelskirche bleibt am 24. und 31. Dezember sowie am Rosenmontag geschlossen. Eine Führung kann nur außerhalb der Gottesdienste durchgeführt werden
(Quelle: Tourismus Fulda)

Gottesdienste
Montag: 18.30 Uhr
Freitag: 18.30 Uhr
Sonntag: 07.00 Uhr
(Quelle: Stadtpfarrei Fulda)







Zum Anfang

Die geheimnisvollen Kammern der Krypta

Zum Anfang
Schließen
Der geheimnisvollste Teil der Michaelskirche ist die Krypta. Über eine Wendeltreppe geht es in das unterirdische Gewölbe. Schummeriges Licht wabert durch den runden Raum, den Kammern umgeben. Diese regten immer wieder die Fantasie der Fuldaer an. Befinden sich hier vielleicht Katakomben, die sich unter dem Michaelsberg ausbreiten?

Kaplan Böth verneint das. Und tatsächlich geht es von den Kammern nicht weiter in ein Tunnelnetzwerk. Welchen Zwecken die Kammern früher dienten, weiß allerdings bis heute niemand genau.
Zum Anfang
„Möglicherweise dienten sie als ‚Beinhaus‘“, sagt Böth gegenüber move36-Reportage. „In solchen Räumen wurden früher Knochen aus geräumten Gräbern abgelegt.“ Eine andere Theorie: „Unter Umständen ließen sich dort auch Mönche zeitweise einmauern, um komplett abgeschottet zu sein.“

Was hingegen sicher ist: Die Bedeutung der Säule in der Mitte der Krypta, die die Michaelskirche stützt. „Sie trägt das Gebäude genauso wie Christus die Kirche trägt“, sagt Kaplan Böth. Auch wenn sie verborgen sei.

„Im Leben ist das ähnlich. Wir sind uns auch nicht immer bewusst, welches die Stützen unseres Lebens sind. Auch sie liegen somit häufig im Verborgenen.“

(Foto: Bistum Fulda)

Zum Anfang

Verborgenes Obergeschoss

Im Verborgenen bleibt für gewöhnlich auch das Obergeschoss der Kirche. „Aus Sicherheitsgründen ist dieser Bereich nicht für Besucher zugänglich“, sagt Böth. „Für unseren Aufseher wäre es schwer möglich, neben Erdgeschoss und Krypta auch noch das Obergeschoss mit seinem runden Balkon im Blick zu behalten.“

Von dort aus eröffnet sich ein beeindruckender Blick. Durch unverglaste, jeweils mit einer Säule versehenen Bögen fällt dieser auf das Innere des Rundbaus und dessen Altar. Wer von unten nach oben sieht, erkennt auf den ersten Blick gar nicht, dass er in Richtung eines Obergeschosses sieht.
Zum Anfang
Die Totenkopfplatte an der Außenseite der Michaelskirche ist ein Denkmal der Stadt Fulda für die Opfer der beiden Weltkriege.

Zum Anfang
Auch wenn die Michaelskirche im Schatten des Doms liegt, fristet sie nicht das Dasein eines Mauerblümchens. Sie steht auf der Liste vieler Touristen und ist auch bei den Fuldaern beliebt.

„In der Kapelle finden viele Hochzeiten und Taufen statt“, sagt Kaplan Florian Böth. Häufig spiele dabei die Familientradition eine Rolle. Viele würde aber auch einfach das Gebäude reizen.
Zum Anfang
Text und Redaktion: Sascha-Pascal Schimmel
Fotos: Sascha-Pascal Schimmel, Bistum Fulda
Videos: Joscha Reinheimer, Sascha-Pascal Schimmel




Zum Anfang
Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden