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Magersucht: Kampf zweier junger Frauen aus Fulda gegen eine heimtückische und tödliche Krankheit

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Magersucht Fulda Monja

Für Magersüchtige warten nach einem Klinikaufenthalt die richtig großen Herausforderungen. Was sie dort gelernt haben, müssen sie im Alltag umsetzen. "Daheim fällt man schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurück", sagt Monja.

Familie und Freunde sind da ganz wichtig. Sie können beim Essen unterstützen, dabei helfen, einzuschätzen, was eine ordentliche Portion ist. Sie können zuhören und die Betroffenen zu Aktivitäten auffordern - sollten jedoch nicht drängeln, wenn die Einladung abgelehnt wird.

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Magersucht Fulda Monja

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Magersucht Fulda Monja

Außerdem arbeitet die junge Frau als Aushilfe in einer Filiale einer Bäckerei in Fulda. "Dort habe ich eine sehr nette Arbeitkollegin kennengelernt", sagt Monja. "Die nimmt mich einfach so wie ich bin."

Bei ihr sei sie schon zweimal eingeladen gewesen. "Wir haben zusammen gekocht und gegessen. Das war einfach ein schöner Tag."

Der Job in der Bäckerei-Filiale bringe ihr im Kampf gegen die Magersucht auch in anderer Hinsicht etwas, sagt Monja.

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Magersucht

Was nach der Klinik auch entscheidend ist, um gesund zu werden: "Man sollte sich schon vor der Entlassung um einen Therapieplatz kümmern und nach einem Ernährungsberater Ausschau halten", sagt  Psychotraumatologie-Fachberaterin Kircher.

Auch eine Selbsthilfegruppe könne helfen. Manche dieser Gruppen beurteilt Kircher jedoch kritisch.

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Magersucht Fulda Christine Kircher
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Magersucht

Auch wichtig: Vereinbarungen mit dem Hausarzt treffen. "Zum Beispiel regelmäßige Blutkontrollen und wiegen nur beim Arzt", sagt Kircher.

Wobei manche ihren Doktor austricksen würden. "Ich kenne eine Frau, die kurz vor dem Wiegen zwei Liter Wasser getrunken hat. Damit war sie gleich zwei Kilo schwerer."

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Magersucht Fulda Monja

Wie schwer es ist, Vereinbarungen einzuhalten und nicht mehr auf die Magersucht zu hören, weiß Monja nur zu gut.

Sie hat einen Plan an die Hand bekommen, anhand dessen sie ihre Mahlzeiten so zusammenstellt, dass sie ausreichend Kohlehydrate, Eiweiß und Fett zu sich nimmt.

"Meine Anorexie hat sich schon leicht einen eigenen Plan daraus gemacht", sagt Monja. Das heißt: Sie puzzelt sich die Lebensmittel so zusammen, dass die Kalorienzahl möglichst gering ist. Deswegen hat sie ihre Therapeutin gebeten, ihr einen neuen Plan aufzustellen.

Katerina hat da ähnliche Erfahrungen gemacht.

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Magersucht Fulda Katerina
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Magersucht Fulda

Dank Psychotherapie, Ernährungsberatung, Familie und Freunden gelingt es Monja mittlerweile häufiger, sich "normal" zu ernähren.

Dennoch suchen sie immer noch Tage heim, an denen ihr das nur schwer gelingt. Und auch stressige Situationen rauben ihr immer wieder den Appetit.

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Magersucht Fulda Monja
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Magersucht Fulda Christine Kircher

Für Christine Kircher ist die Haltung gegenüber dem Essen entscheidend. "Ich bin der Meinung, dass die Lust am Essen, am gemeinsamen Essen wichtig für eine gesunde Ernährung ist", sagt die Sozialpädagogin.

Kircher weiß zudem, dass es "bei Überforderung zu Rückfällen kommen kann." Da komme schnell das Gefühl auf 'Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, wie komme ich da wieder raus'.

Dann würden viele wieder in ihre Magersucht zurückfallen. Kircher hat für solche Situationen einen einfachen Tipp: sich zentrieren. (Mehr dazu mit einem Klick auf play)



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Magersucht Fulda Monja

Für Monja ging es erst einmal in eine Klinik für allgemeine Psychosomatik. Dort habe es für Essstörungen einen kleinen Bereich gegeben, in dem diese behandelt wurden.

Von Monja war der Klinikaufenthalt jedoch nicht ausgegangen. Vielmehr hatten sich die Eltern Sorgen um sie gemacht.

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Magersucht Fulda Monja
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"Einfach zu lange"

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In der Klinik hat Monja mehrere Therapieangebote wahrgenommen. "Wir hatten zwei-, dreimal die Woche eine Art Selbsthilfegruppe", sagt sie. "Der Austausch untereinander hat mir sehr gut geholfen."

Ansonsten habe es Boxen als Therapie gegeben. Wut und Aggressionen rauslassen. Das helfe ihr auch heute noch.  "Wir sollten dabei versuchen zu schreien. Es hat lange gedauert, bis ich mich öffnen konnte. Aber es hat mir sehr sehr gut getan."

Was ihr hingegen zugesetzt hatte: das wochenlange Kontaktverbot zu Familie und Freunden. (Mehr dazu mit einem Klick auf play)


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Magersucht Fulda Monja

Nach etwa zwei Monaten durfte Monja die Klinik verlassen. Während dieser Zeit habe sie bis zum Normalgewicht zugenommen.

"Ich habe micht total gefreut, endlich nach Hause zu gehen", sagt die junge Frau. Zuvor sei sie einmal für eine oder zwei Nächte daheim gewesen.

Monja hatte die Erwartung, wieder gesund zu sein. Sie wollte wieder ihr normales Leben führen, Spaß haben, Freunde treffen und zurück in ihre Ausbildung kommen.

Alles nicht so einfach außerhalb der Mauern der Klinik - nach ihrem ersten Aufenthalt.

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Magersucht Fulda Monja
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"Mein Kopf verbietet es mir"

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Was Monja sehr zu schaffen gemacht hat: In der Klinik hatte es andere Lebensmittel als daheim geben. Zum Beispiel Brötchen. Daheim esse sie aber häufig Brot oder Müsli. "Wie viel muss ich nun davon essen, um ein Brötchen zu ersetzen", war die Frage. "Das ist mir sehr schwer gefallen."

Nur zwei Monate nach ihrem ersten Klinikaufenthalt ging es für Monja wieder bergab. Einer der Auslöser sei das Buffet während eines Urlaubs gewesen. "Das hat mich total überfordert." (Mehr dazu mit einem Klick auf play)

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Magersucht Fulda Monja

Monja entschied daraufhin, sich erneut in einer Klinik behandeln zu lassen. Diese Mal in einer Spezialklinik für Essstörungen.

Dorthin zu gelangen war jedoch nicht ganz einfach. "Ich musste mich mit der Rentenversicherung und der Krankenkasse auseinandersetzen", sagt sie. "Das ging ständig hin und her. Das hat sich einfach gezogen und gezogen, weil keiner die Kosten übernehmen wollte. Dabei wollte ich schnellstmöglich in die Klinik."


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Magersucht Fulda Monja

Monjas langer Atem hat sich ausgezahlt. Nach der zweiten Klinik habe sie sich viel besser vorbereitet gefühlt.

"Ich habe dort zwar auch keinen speziellen Ernährungsplan für daheim bekommen", sagt sie. "Dafür hat man ein Ernährungskonzept vorgestellt bekommen und musste sich selber Essen nehmen. Sie haben sich dort viel mehr mit dem Thema Ernährung beschäftigt. Das hat mir geholfen."

Seit April dieses Jahres ist die junge Frau nun wieder daheim. Seitdem steht die Nachsorge an - damit sie die Magersucht weiterhin im Griff hat.

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Magersucht Fulda Katerina

Für Katerina war von vornherein klar: "In eine Klinik möchte ich nicht gehen." Sie wollte ihre Mutter nicht verlassen, nicht von daheim weg, sie wollte weiter zur Schule gehen. Und: Katerina hatte Angst, nicht selbst entscheiden zu können, wann sie die Klinik verlässt.

Die Studentin wog während der Magersucht zwischenzeitlich nur noch 41 Kilo. Sie nahm am Tag weniger als 1000 Kalorien zu sich, musste täglich zum Wiegen zur Kinderärztin gehen. "Entweder nimmst du bis morgen ein Kilo zu oder es geht in die Klinik", habe die Ärztin gesagt.

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"Hey, warum isst du nicht lieber selbst?"

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Magersucht Fulda

Der stationäre Aufenthalt stand also mehr oder weniger fest. Dass Katerina trotzdem nicht in eine Klinik musste, hat sie einem Geisteswandel zu verdanken.

Als eine Therapeutin ihr gesagt habe, was dort auf sie zukomme, wenn sie sich weigere zu Essen - Ernährung per Infusion - habe es Klick gemacht. (Mehr dazu mit einem Klick auf play)


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Magersucht Fulda Katerina

Katerina kümmerte sich um eine ambulante Therapie - wirklich warm wurde sie damit jedoch nicht. Ihr fiel es schwer sich zu öffnen. Dieses Verhältnis "Therapeut/kranker Mensch", wie sie es beschreibt, habe ihr nicht gefallen.

"Was mir auch immer gefehlt hat, war ein Lösungsansatz", sagt Katerina. "Ich wusste irgendwann zwar, woran es liegt, aber nicht, wie ich es nun besser mache."

Dennoch: Ein paar kleine Schritte hat sie dank der Therapie gemacht.

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Magersucht Fulda Katerina
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Magersucht Fulda Katerina
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Magersucht Fulda

Die Therapie von Menschen mit Magersucht in Deutschland ist ausbaufähig. Monja, Katerina und Sozialpädagogin Kircher wünschen sich, dass sich etwas ändert.

Monja: "Ich fände es gut, wenn man erst aus einer Klinik entlassen wird, wenn man einen Therapeuten für Psyche und Essen hat."

Katerina:
"Vielleicht hilft es, wenn Betroffene in der Therapie erfahren würden, wie der Körper funktioniert."

Christine Kircher: "Ich wünsche mir, dass Therapeuten sowie die Bezugspersonen den Betroffenen auf Augenhöhe begegnen. Nicht nach dem Motto: 'Wir sind die Wissenden, du bist hier unten und du machst etwas falsch'."


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Magersüchtige sehen sich als speckig, unförmig und unattraktiv - selbst wenn sie nur noch aus Haut und Knochen bestehen. Ihr Selbstbild ist extrem verzerrt. Wie ist das möglich?

Ursachen können genetische Dispositionen, fehlendes Selbstwertgefühl, gesellschaftliche Kriterien oder  sexuelle Misshandlungen sein.

Christine Kircher sieht zudem die Medien in der Verantwortung. Dort würde seit dem 60er-Jahre-Modell "Twiggy" der mädchenhafte Körper auch im fortgeschrittenen Alter glorifiziert, sagt die Fachberaterin für Psychotraumatologie.

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Magersucht
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Nicht nur Sendungen wie "Germanys Next Top Model" wird nachgesagt, Mädchen und junge Frauen in den Magerwahn zu treiben. Durch die Sozialen Medien haben sich in den vergangenen Jahren Body Challenges und Trends schlagartig verbreitet.

Thigh Gap, Bikini Bridge, Collarbone Challenge, Ab Crack und Belly Button Challenge heißen sie. Ihnen allen ist gemein: Normalgebaute Menschen können ihnen kaum gerecht werden.

Bei der Thigh Gap zum Beispiel sind die Oberschenkel so schmal, dass sie möglichst weit auseinanderstehen. Die besten Chancen, die Collarbone Challenge zu gewinnen, hat, wessen Kuhle über dem Schlüsselbein am ausgeprägtesten ist.

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Magersucht

Die Folgen einer Magersucht können verheerend sein. Hier eine kleine Auswahl:

- Ausbleiben der Periode
- Potenzverlust
- Herzrhythmusstörungen
- Kopfschmerzen
- Schlafstörungen
- Haarausfall
- Depressionen



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Magersucht

Das Selbstwertgefühl von Magersüchtigen hängt nahezu ausschließlich von ihren Körpermaßen und ihrem Gewicht ab. Ihren Körper nehmen sie oft verzerrt, nicht der Realität entsprechend wahr. Um diesen Idealen gerecht zu werden, nehmen sie fortwährend ab.

Symptome sind begrenzter Nahrungsverzehr, übermäßige körperliche Aktivitäten, selbst herbeigeführtes Erbrechen und Abführen anhand von Appetitzüglern. Außerdem haben Betroffene Angst vor einem unförmigen Körper.

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