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Schock im Kanu: Wildes Abenteuer auf der Fulda bei Hochwasser

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Kanuwanderung Fulda

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Kanuwanderung Fulda Wehr Eichhof

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Kanuwanderung Fulda

Die Fulda ist eigentlich ein gemütlicher Fluss, fast schon eine Faulenzerin. Extrem überspitzt formuliert. Auf vielen Abschnitten wirkt es, als würde sich das Wasser keinen Zentimeter bewegen, als bräuchte es einen Tritt in den Hintern.

Bei gutem Wetter und nicht zu hohem oder zu niedrigem Pegel, können auch relativ ungeübte Kanuten die Fulda ohne größere Probleme bewältigen.

Joscha und Sascha sind daher optmistisch, dass sie ihren Trip an und auf Hessens längstem Fluss ohne größere Schäden überstehen. 220 Kilometer von der Quelle unterhalb des Gipfels der Wasserkuppe bis zum Zusammenfluss mit der Werra in Hannoversch Münden. Muskelkater und ein paarmal in die Fulda fallen, damit rechnen die Reporter. Aber mit mehr?

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Kanuwanderung Fulda

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Die offizielle Fuldaquelle

Unterhalb des Gipfels der Wasserkuppe befindet sich die offizielle Fuldaquelle. Sie liegt an der Straße nach Gersfeld. Tatsächlich speist sich die Fulda aus mehreren Quellen. Die sind in der Regel jedoch nicht gut zu erreichen.

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Fuldaquelle

Was für ein Sauwetter - noch mieser als erwartet. Es schüttet ohne Ende. Und heute wollen Joscha und Sascha ihren Fulda-Trip starten? Na dann, viel Spaß.

Die ersten 50 Kilometer ab der Quelle legen sie mit den Rädern zurück. Bis Gersfeld ist die Fulda einfach zu schmal und zu flach - praktisch nur ein Bach -, um sie mit Wanderkanus zu befahren. Ab da bis Fulda sollten sich auch lieber nur geübte Sportkanuten auf den Fluss wagen. Und von Fulda bis Hemmen warten einige Hindernisse in Form von abgebrochenen Bäumen, die quer über dem Wasser liegen.

Also, aus praktischen und aus Vernuftsgründen für das erste Stück lieber auf die Räder steigen und bis Hemmen der Fulda auf dem Radweg folgen.

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Kanuwanderung Fulda

Wirklich Spaß bereitet den beiden das Radeln nicht. Bereits nach den ersten acht Kilometern ist kein Quadratzentimeter der Kleidung mehr trocken. Die Füße schwimmen in den Socken und den Schuhen, die sich während der Abfahrt von der Fuldaquelle nach Gersfeld vollgesogen haben. Beim Auftreten läuft Wasser aus ihnen - das wäre lieber mal in der Fulda gelandet.

Bis zum Einstieg in die Kanus in Hemmen sind es noch gut 40 Kilometer. Tendenziell geht es bergab. Aber immer wieder stehen kurze Anstiege im Weg. Joscha mag das nicht. Spätestens ab Fulda fasst er sich immer wieder an den rechten Oberschenkel. Der tut ihm ordentlich weh. Wie soll das bloß während der Woche werden? Wird irgendwann der ganze Körper vor Schmerzen schreien?

So schlimm wird es nicht sein. Joscha wird sich im Kanu ohnehin wacker schlagen. Sascha hingegen wird mit den Fluten kämpfen.

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Kanuwanderung Fulda

Um 14.30 Uhr sitzen die Reporter endlich in ihren Kanus. Wanderkajaks, etwa 3,5 Meter lang. Die Dinger machen ordentlich Strecke, halten gut die Richtung. Wendig sind sie allerdings nicht. Schnelle Richtungswechsel in kritischen Situationen? Schwierig.

Nun stehen erst einmal 18 Flusskilometer bis Rimbach an. Und siehe da: Das Wetter spielt mit. Kein Regen, teilweise lässt sich sogar die Sonne blicken. Die Temperaturen sind milde, das Wasser der Fulda ohnehin angenehm warm. Zum Glück.

Doch dann...

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Kanuwanderung Fulda

In der Nähe von Schlitz kentert Sascha - es wird nicht das letzte Mal sein. Als sich ihm ein Ast in den Weg stellt, bewegt er sich hektisch. Das Kanu kippt seitlich, dreht sich, läuft mit Wasser voll.

Als Joscha und Sascha es an Land ziehen wollen, taucht ein Teil des Kanus unter Wasser. Dort befindet sich eine Kammer und in ihr Saschas Schlafsack. Die Kammer läuft voll, der Schlafsack saugt das Wasser auf und ist die nächsten Tage nicht mehr zu gebrauchen.

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Kanuwanderung Fulda Rimbach

Nach einer dreiviertel Stunde geht es weiter - ohne erneutes Bad in der Fulda. Als Joscha und Sascha in Rimbach ankommen, sind sie ziemlich k.o. 50 Kilometer auf dem Rad und 18 Kilometer im Kanu haben ganz schön geschlaucht.

In Rimbach kommen die Reporter auf dem Hofgut von Anneliese unter. Ihre Klamotten lagern sie in dessen Rittersaal. Schlafen wollen sie im Zelt - in der Nähe des Grillplatzes des Hofguts. Wäre ja sonst schon etwas weicheimäßig. Echte Wildnisshelden werden beide jedoch nie werden.

Bis das Holz in der Feuerstelle endlich ordentlich brennt, dauert es eine halbe Ewigkeit. Genauso lange benötigt das Feuer, um die Dosennudeln aufzuwärmen. Der Hunger treibt sie lauwarm rein. Dann geht es ins Zelt. Ausruhen. Am nächsten Tag stehen 27 Paddelkilometer auf dem Plan. Es geht nach Hersfeld.

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Kanuwanderung Fulda

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Kanuwanderung Fulda

Was für ein Murks. Der zweite Tag beginnt genau so wie der erste. Es regnet ohne Ende - bereits seit vier Uhr früh. Das kann ja ein schöner Tag werden. Bevor Joscha und Sascha die Kanus beladen und in die Fulda wuchten, gibt es Frühstück in Annelieses Stube. Sie meint es gut mit den Reportern. Brot, Brötchen, Käse, Hausmacher Wurst, frische Eier und zwei große Kannen mit Tee und Kaffee stehen auf dem Tisch.

Draußen hat der starke, dauerhafte Regen den Pegel der Fulda steigen lassen - in Richtung der Äste tiefhängender Bäume. Der Fluss wird an sich also breiter. Die Äste schränken die befahrbare Fläche dann aber wieder ein. Bis Niederaula - dort haben die zwei etwa die Hälfte der Etappe hinter sich - ist das jedoch kein großer Akt. Der Tag scheint länger, aber recht entspannt zu werden.

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Auf ein Neues

Saschas Boot ist wieder mit reichlich Fuldawasser vollgelaufen.

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Kanuwanderung Fulda

Doch dann legt die Fulda an Tempo zu. Zwischen Niederaula und Kerspenhausen schlängelt sie sich ordentlich. Sascha und Joscha kämpfen, um nicht an die dicht bewachsenen Ufer gedrängt zu werden. Joscha gelingt das durchweg. Sascha hingegen paddelt in einer Kurve zu weit nach rechts.

Die Strömung drängt ihn gegen Äste am Ufer, drückt das Heck seines Kanus nach unten, während die Äste den Bug nach oben hebeln. Das Kanu kippt, läuft dieses Mal zum Glück nur halb voll.

Sascha zerrt das Kanu ans Ufer. Mit leeren Sportgetränkeflaschen schöpft er das Wasser aus dessen Innenraum. „Was für eine Sch....!“ Zweiter Rudertag, zweiter Reinfall. Das drückt ordentlich auf die Stimmung.

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Kanuwanderung Fulda

Bis zum Ziel der zweiten Etappe - Hersfelder Kanu Club - sind es noch einige Kilometer. Sascha hat keinen Bock mehr. Am liebsten würde er die Tour abbrechen. Wenn nicht sofort, dann nach Ankunft in Bad Hersfeld. Jacke, Shirt, Hose, Schuhe, Socken: alles total durchnässt. Keine Chance, trocken zu werden. Der Regen will einfach nicht aufhören. Während Saschas Knie schlottern, ist sein Gesicht wie eingefroren. Bis kurz hinter Kohlhausen sagt er kaum etwas.

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Kanuwanderung Fulda Wehr Eichhof

Dann wartet die letzte Prüfung des Tages auf die zwei Kanuten. Am Eichhof müssen sie ihre Kanus um ein Wehr tragen - das erste wirklich beeindruckende auf ihrer Tour. Der Ausstieg auf der schmalen, glitschigen Kante des Wehres gleicht einem Kunststück. Kurz dahinter geht es steil bergab. Anschließend ziehen Joscha und Sascha ihre Boote über ein kurzes Stück Wiese und einen rutschigen Abhang hinunter.

Den letzten Kilometer paddeln sie im Regenschauer auf der seichten, mittlerweile aber deutlich breiteren Fulda zum Kanu Club. Dort kommen sie im beheizten Clubhaus unter. Endlich trockene Klamotten und warme Füße. Je mehr die Feuchtigkeit und die Kälte aus den Gliedern kriechen, desto mehr hellt sich die Stimmung auf. Der nächste Tag kann kommen. Er wird nicht ganz ohne werden.

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Kanuwanderung Fulda Hersfelder Kanu-Club

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

Regen, Regen, Regen. Es hat etwa einen ganzen Tag geschüttet. Immerhin: An diesem Morgen halten sich die Wolken mit ihren Wasserattacken auf Joscha und Sascha zurück. Es fisselt - maximal.

Auch wenn der Regen eine Pause einlegt: In den vergangenen Tagen hat er die Fulda ordentlich steigen lassen und ihr Tempo verliehen.

Der Anblick der Fulda an diesem Morgen lässt Joscha und Sascha nicht kalt. Der Fluss ist breit und braun. Seine Oberfläche ertränkt die Äste der Bäume an den Ufern ein Stück weit. Die Fulda fließt merklich schneller als die Tage zuvor - wenn auch von einer starken Strömung nichts zu sehen ist.

„Ich habe wirklich Respekt vor dem Tag heute“, sagt Joscha. Sascha fragt sich, ob es sinnvoll ist, zu paddeln. Dann sagt er sich: „Wahrscheinlich sind meine Befürchtungen übertrieben.“

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Scheinbar ruhig

Um 11.15 Uhr starten Joscha und Sascha die dritte Etappe Richtung Hannoversch Münden. Die Fulda scheint trotz Hochwassers ruhig zu sein.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

Also geht es um 11.15 Uhr in die Kanus. Die ersten Meter laufen flüssig. Das Wasser ist ruhig. Die Paddler kommen voran. Wenige Hundert Meter nach dem Start müssen sie ihre Kanus über Land um ein Wehr in Bad Hersfeld tragen. Dort rauscht es gewaltig. Die Wassermassen walzen über das Wehr weg.

Dennoch sind Joscha und Sascha nun optimistisch, dass es ein guter Tag wird. Die Befürchtungen sind verschwunden. Sascha freut sich: „Bei dem Tempo machen wir heute ordentlich Strecke.“ Zu früh gefreut.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

Einen guten halben Kilometer später wird es für die Reporter turbulent. Dort fließt von rechts die Haune in die Fulda. Auch sie führt übermäßig viel Wasser.

Ab diesem Zeitpunkt reißt die Strömung des Flusses an den Kanus der beiden. Wegen der in die Fulda hängenden Bäume und Sträucher müssen sich Joscha und Sascha teils durch etwa einen Meter breite Gassen manövrieren. Manchmal brettern sie direkt durch die Äste, wenn es für einen Richtungswechsel zu spät ist.

Die Tour macht nun keinen Spaß mehr. „Hoffentlich wird es bald ruhiger“, sagt Joscha.

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Zu große Herausforderung

Das Hochwasser und die Strömung sind für Sascha eine zu große Herausforderung. Er verliert die kontrolle über sein Kanu.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

Knapp zwei Kilometer kämpfen die zwei nun schon gegen Strömung und Äste. Ein Ende ist nicht in sich. Anladen ist nicht möglich. Die Ufer sind zu dicht bewachsen. Immer wieder müssen die Paddler Lücken suchen und erwischen. Irgendwann gelingt das Sascha nicht mehr.

Mit seinem Kanu hängt er quer zwischen Ästen fest. Die Äste drücken gegen ihn, die Strömung reißt am Boot. „Das geht nicht gut“, erkennt er schnell. Das Kajak dreht sich unter seinem Hintern weg. Wasser dringt in den Innenraum.

Sascha fällt in die Fulda. Er versucht, das Kanu festzuhalten. Doch das will keine Ruhe geben.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

Noch einige Zeit bemüht sich Sascha schwimmend, das Kanu zu kontrollieren. Er möchte es an Land ziehen. Schließlich transportiert es Kameraequipment um Wert Tausender Euro und seine persönlichen Wertsachen.

Als Sascha merkt, dass das Kanu einfach zu schwer ist, lässt er es los. Es treibt weiter die Fulda hinunter. Ob er es wiedersehen wird?

An einer unbewachsenen Stelle des Ufers schwimmt der Reporter an Land. Durchnässt und k.o. ist er. Aber wohl auf.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

In der Zwischenzeit ist auch Joscha an Land gegangen. Er hat das Kanu an einem Baum festgebunden und es auf eine Wiese gezogen, nachdem er sich mit dem Paddel durch das zugewachsene Ufer gekämpft hat.

Nun sucht er das Ufer nach Sascha ab. Es dauert ein paar Minuten, bis Joscha ihn endlich findet. Beide sind extrem erleichtert.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld
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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

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Profis am Werk

Joschua und Aaron zeigen, wie Profis Hochwasser und Strömung bändigen. Sie bergen Saschas Kanu aus der Fulda.

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Kanuwanderung Fulda Bad Hersfeld

Nicht nur Sascha hat die ganze Sache heil überstanden. Auch das Kanu samt Wertsachen ist wieder aufgetaucht. Zwei Kanuten aus Fulda, die für Rhön Adventures arbeiten, sind den Reportern zur Hilfe gekommen. Mit ihren Sportkanus haben sie Saschas Kajak in wenigen Minuten gefunden und geborgen. Es hatte sich an einam Baum mitten in der Fulda verkeilt.

Eine beeindruckende Leistung der beiden Kanuten. Sie hatten die Fulda scheinbar problemlos im Griff. Amateure und Hobbykanuten sollten sich jedoch lieber zweimal überlegen, ob sie sich bei diesem Wetter und Hochwasser auf die sonst eher träge Fulda wagen.

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Wer Interesse hat, findet über die Verlinkung einen Flussführer von der Quelle der Fulda bis Bad Hersfeld - also der Strecke, die Joscha und Sascha gepaddelt sind. Der Flussführer stammt vom Kanu-Club-Fulda.


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    Übersicht

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    Kapitel 1 Wildes Kanu-Wagnis bei Dauerregen auf der Fulda

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    170727 kanutour 2
    Kapitel 2 Tag 1: Was für ein Mistwetter

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    Kapitel 3 Tag 2: 24 Stunden Regen

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    Kapitel 4 Tag 3: Der Kampf mit dem Hochwasser

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    Kapitel 5 Nachtrag: Rückkehr des Kanus

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    Kapitel 6 Info: Flussführer Fulda

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