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Täglich am Limit: Der Knochenjob von Fuldas Tierschützern

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Es nimmt einfach kein Ende: Haben sie ein Tier aufgepäppelt und vermittelt, stehen die nächsten hilfsbedürftigen vor der Tür. Die Tierschützer und -helfer im Kreis Fulda arbeiten an der Belastungsgrenze – sie sind einfach zu wenige. Einblick in die Arbeitswelt der Idealisten.

Von Sascha-Pascal Schimmel und Joscha Reinheimer für move36-Reportage


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Ohne die nötige Portion Idealismus und extrem große Tierliebe geht es in diesem Job einfach nicht. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Personalmangel in Tierheimen und Tierschutzvereinen keine Seltenheit ist.

Mit Füttern, Gassigehen und etwas Schmusen ist es eben nicht getan. Tierschutz ist ein Beruf, der an die Substanz geht – weil viel zu viel in viel zu kurzer Zeit mit viel zu wenig Personal zu erledigen ist. Reich wird man davon auch nicht.

Der Tenor im Kreis ist dementsprechend überall der gleiche. Ob in Fulda, Hünfeld oder Hainzell. Gegen zusätzliche Unterstützer hätte niemand etwas. move36-Reportage hat den aufopferungsvollen Kampf für die Tiere begleitet und mit ihren Schützern über deren Herausforderungen gesprochen.

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Wie ein Schutzring umschließt der Wald das Tierheim Fulda-Hünfeld. Zwischen Dietershan und A7 gelegen, finden hier jedes Jahr zwischen 800 und 1200 Tiere Unterschlupf: überwiegend Katzen, viele Hunde, dazu Kleintiere.

Sieben Tage die Woche ist das Heim mit Personal besetzt. Von 9 bis 18 Uhr. Häufig dauert der Arbeitstag länger. Durchschnaufen können die Tierschützer während ihrer Schichten selten.

Foto: Tierheim Fulda-Hünfeld


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Für Marco Dippel geht es Schlag auf Schlag

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Marco Dippel arbeitet dort seit ein paar Monaten fest. Er kümmert sich um die aktuell etwa 60 Hunde, die im Tierheim leben. „Da kommt man ganz schön ins Schwitzen“, sagt er. Dippel ist gelernter Hundetrainer. Spezialgebiet: Aggression. Es ist Montagmorgen. Um neun Uhr startet seine Schicht, dann geht es Schlag auf Schlag.

Hunde anleinen, das geht so schnell, dass man es kaum sieht. Hunde vom Zwinger in ihr Außengehege führen. Gut 20 Zwinger reinigen. Hunde anleinen und zurück in die Zwinger. Außengehege reinigen. Hunde zurück in die Außengehege.

Marco Dippel und sein Helfer Tobias haben dafür etwa sechs Stunden Zeit. Denn an vier Tagen in der Woche kommen ab 15 Uhr die Gassigänger und holen die Hunde für zwei Stunden ab. Die Mittagspause fällt bei solch einem Pensum häufig flach.

Dippels Job ist nicht nur wegen der Arbeit im Akkord nicht für Jedermann etwas. Er ist eine Herausforderung für alle Sinne. Während die Hunde in ihre Gehege kommen, sind sie extrem aufgeregt. Das Bellen ist zum Teil ohrenbetäubend. Zudem stellt das Reinigen der Zwinger Nase und Magen ordentlich auf die Probe. Beim Geruch nach Urin und Kot zieht sich der Magen schon einmal zusammen.

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Während Marco und Tobias bei den Hunden zugange sind, arbeitet sich Eva Stollberg durch Quittungen. „Am Wochenende ist etwa eine Handvoll Tiere zu uns gekommen“, sagt die Leiterin des Tierheims, während sie die Büroarbeit erledigt. „Es war, was das angeht, also relativ ruhig. Wir hatten schon Tage mit um die zehn neuen Katzen auf einen Schlag.“

Die Katzen sind im ersten und im zweiten Stock – der Quarantäne-Station – untergebracht. Manche sind noch ganz klein, vielleicht handgroß, und erst einige Wochen oder Monate alt. Im ersten Stock lebt unter anderem eine schmale Katzenmutter mit ihren drei Kindern. Sie wurden an der A7 gefunden.

Ein paar Treppenstufen weiter oben hofft Chili darauf, endlich die Quarantäne verlassen zu dürfen. Er ist ein großer, roter, verschmuster Kater mit mächtigen Tatzen. Leider ist nicht klar, wie es mit ihm weitergeht. Chili ist Bluter.

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Tierarzt macht seine Runde

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Mittlerweile ist es Mittag im Tierheim. Marco, Tobias, Eva und alle anderen sind bisher kaum zur Ruhe gekommen. Gerade fährt Guido Schmuck mit seinem Kleinbus vor. Der Tierarzt kommt mindestens einmal die Woche zum Tierheim. Montags auf jeden Fall.

Dann macht Schmuck seine Runde. Heute kommen erst die zu versorgenden Hunde dran. Dann geht es zu den Kleintieren in deren „Villa“ neben den Außengehegen der Hunde. Abschließend kümmert Schmuck sich um die Katzen. Er horcht und tastet die Tiere ab. Entscheidet, ob und welche Medikamente nötig sind, impft und chipt sie.

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Für das Tierheim-Team sind die Tierpaten eine besonders willkommene Hilfe. Gut 100 sind es zurzeit. Sie zahlen monatlich einen Betrag von fünf Euro aufwärts. Das Geld fließt unter anderem in Futter. Zudem gehen sie mehrmals die Woche mit Hunden Gassi oder leisten anderen Tieren Gesellschaft.

„Wegen der vielen Arbeit und des relativ kleinen Teams haben wir nur selten Zeit, uns einmal 15 Minuten um einen einzelnen Hund zu kümmern“, sagt Tierheimleiterin Stollberg. Da kommen die Tierpaten gerade recht. Besonders für zurückhaltende Hunde ist das Gassigehen eine schöne Übung. Sie gewöhnen sich nach und nach an Menschen und ein Leben außerhalb Zwinger und Gehege.

Kerstin Laible ist seit längerem Tierpatin. Aktuell kümmert sie sich um eine recht scheue Hündin.

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Die Pflege mancher Tiere ist jedoch vorerst derart intensiv, dass sie erst einmal nicht im Tierheim unterkommen. So geht es zwei Kätzchen – Geschwistern –, um die sich Sonja Becker kümmert. Beide leiden unter Katzenschnupfen. Eines kann gar nichts sehen, da sich ein fester Film über seine Augen gezogen hat. Das andere hat zumindest ein freies Auge.

Becker pflegt die Kätzchen daheim. Wenn sie im Tierheim arbeitet, nimmt sie die Kleinen in einer Katzenbox mit. Beide müssen noch gefüttert werden. „Anfangs alle anderthalb Stunde, auch nachts“, sagt Becker. „Mittlerweile haben sie nur noch alle drei Stunden Hunger.“

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Eine Oase für Tiere in Not: Der Verein Verantwortung Leben hat sich eine Tierscheune im Hosenfelder Ortsteil Hainzell eingerichtet. Das Team aus vielen Ehrenamtlichen, zum dem auch Kinder und  Jugendliche zählen, kümmert sich dort um kranke, ausgesetzte und hilfsbedürftige Tiere, auch die in ihrem Zuhause unter unwürdigen Umständen gelebt haben.

In der Scheune finden sie Futter, Zuwendung und einen Platz zum Erholen. Die Katzen zum Beispiel können sich auf Sofas, Sesseln und Decken in den Gehegen auf dem Dachboden wohlfühlen. In den kälteren Monaten kommen sie in einem Quartier im Erdgeschoss oder in Pflegestellen unter.

Auch um die medizinische Versorgung kümmert sich der Verein. Außerdem rücken die Helfer des Vereins aus, wenn angefahrene Tiere gefunden oder Katzen gefangen werden müssen um sie anschließend kastrieren zu lassen.

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13 Jahre alt und bereits seit 5 Jahren dabei

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Lisa zählt zu den jungen Helfern bei Verantwortung Leben. 13 Jahre ist sie alt und schon seit 5 Jahren dabei. Seit einem Jahr kümmert sie sich um Shadow.

Shadow ist ein besonders scheues Pferd. Seinen vorherigen Besitzer hat er permanent abgeworfen. Anfassen ließ er sich anfangs auch nicht.

In den vergangenen 12 Monaten hat Lisa sich nach und nach Shadows Vertrauen erworben. Sie kümmert sich praktisch täglich um ihn, geht mit ihm spazieren, lässt ihn über Stangen laufen.

"Mittlerweile lässt er sich wieder anfassen", sagt Lisa. "Er hat von den anderen Pferden gelernt, dass ihm nichts passiert, wenn ich ihn berühre."

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Auch Katze Heidi lebt in der Tierschutzscheune und bekommt da ihr Gnadenbrot. Ihre vorherigen Besitzer haben sie abgegeben da sie durch einen Unfall  inkontinent ist und fortlaufend tröpfchenweise Urin verliert.

In Hainzell gehört sie zu den Freigängern. Wie ein paar andere Katzen ist sie nicht in einem Gehege untergebracht, sondern stolziert gerne auf dem Hof umher.

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Sie kommen kaum noch hinterher

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Ohne die vielen Ehrenamtlichen, die Sponsoren und die Vereinsmitglieder gäbe es den Verein und seine Tierschutzscheune nicht. Aktuell arbeitet das Verantwortung-Leben-Team wieder einmal an seiner Belastungsgrenze.

„Uns erreichen so viele Telefonate täglich", sagt Tierschützerin Silke Gramatzki-Wieczorek. "Das zeigt uns dass die Tierschutzarbeit dringend notwendig ist."

Silke Gramatzki-Wieczorek und ihre Kollegen kommen kaum noch hinterher. Sie sind täglich mindestens acht Stunden persönlich zu erreichen, ansonsten haben sie einen Anrufbeantworter aktiviert und jeder kann sein Anliegen vorbringen und es wird sich schnellstens bemüht zu helfen.

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Pflasteraktion 2
Die Helfer haben ordentlich angepackt. (Fotos: Verantwortung Leben)
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Umso beeindruckender ist, was der Verein Ende September geleistet hat. Innerhalb eines halben Tages pflasterten viele Helfer den Hof vor der Scheune.

Am Ende tat allen alles weh. Der Stolz überwog jedoch. Denn Dank des neuen Pflasters haben die Pferde vor dem Tor nun mehr Platz.

Und die nächste Pflaster-Aktion kündigt sich bereits an. Bei besserem Wetter, wahrscheinlich kommendes Jahr, will das Verantwortung-Leben-Team einen weiteren Bereich vor der Scheune Pflastern.

Pflasteraktion 2
Die Helfer haben ordentlich angepackt. (Fotos: Verantwortung Leben)
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Pflegestellen für Tiere sind Mangelware. Das weiß auch Gerald Wiegand. Neben seinem Job engagiert er sich im Tierschutzverein Hünfeld. „Den ersten Kontakt zum Verein hatten meine Frau und ich durch eine Anzeige“, sagt Wiegand. „Darin wurde eine Pflegestelle gesucht.“

Daraufhin richtete das Paar eine solche Stelle bei sich ein. „Die erste Pflegekatze hatten wir vielleicht zwei Tage“, sagt der ehrenamtliche Tierpfleger. „Es braucht ein paar Tiere, bis man verinnerlicht hat, dass sie nur kurze Zeit bleiben.“

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"Da ist große Tierliebe nötig"

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Wiegand und seine Frau kriegen fast immer ein paar Wochen oder Monate alte Jungtiere, die ausgesetzt wurden. Manche sind in nicht sonderlich gutem Zustand. Im September pflegte das Paar einen kleinen schwarzen Kater, der unter Katzenschnupfen litt. Matt lag er in seiner Hütte im ehemaligen Gäste-WC und rührte sich kaum. Schleim verklebte das Fell unter der Nase.

„Wir hatten zudem bereits zwei Katzen mit geschädigtem Auge“, sagt Wiegand. „Bei einer hing es raus. Es musste entfernt werden.“ Solche Katzen seien sehr schwer zu vermitteln. Da brauche es echt Tierfreunde.

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Bei der Tierpflege erhalten die Wiegands Unterstützung von ihrer Hündin Laika. „Sie ist so etwas wie eine Katzenmama“, sagt der Tierpfleger. „Die Jungkatzen legen wir gleich zu ihr. Die fauchen zwar erst einmal, merken aber schnell, dass ihnen keine Gefahr droht.“

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Text und Redaktion: Sascha-Pascal Schimmel
Fotos, Videos, Audio: Joscha Reinheimer

Vielen Dank an die Teams von Verantwortung Leben, dem Tierheim Fulda-Hünfeld und dem Tierschutzverein Hünfeld für ihrer Unterstützung zur Umsetzung dieser Reportage.



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Ob nun der Verein Verantwortung Leben, das Tierheim oder der Tierschutzverein Hünfeld: Der Kreis Fulda kann sich glücklich schätzen, dass es diese Einrichtungen gibt und sich Menschen dort engagieren.

Alle, die selbst anpacken, spenden oder ein Tier bei sich aufnehmen möchten, finden hier die Kontaktdaten der Tierschützer.

Verantwortung Leben:
Hessenhofstr. 36 36154 Hosenfeld
Mobil: 0173/6543210
IBAN: DE17 5306 2035 0003 7195 02
BIC: GENODEF1GLU

Tierheim Fulda-Hünfeld:
Geißhecke 6 36039 Fulda
0661/607413
info@tierheim-fulda.de
IBAN: DE54 5305 0180 0000 0177 63
BIC: HELADEF1FDS

Tierschutzverein Hünfeld
36081 Hünfeld Postfach 1212
06652/7480437
IBAN: DE20 5305 0180 0070 0069 79
BIC: HELADEF1FDS

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