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30 Jahre Mauerfall: Wigbertschule auf DDR-Spurensuche auf Point Alpha

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30 Jahre Mauerfall: Wigbertschule auf DDR-Spurensuche auf Point Alpha

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Point Alpha Stiftung: Einblick in den "Unrechtsstaat" DDR

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Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Point Alpha

Möglicher Dritter Weltkrieg, Teilung Deutschlands, Fluchtversuche: Bei Point Alpha zwischen Rasdorf und Geisa hat sich bis zum Fall der Mauer die Dramatik des Kalten Kriegs geballt. Der Ort erzählt Geschichten von einem getrennten Volk und verfeindeten Lagern.
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Es ist gerade einmal um die 30 Jahre her, da trennte eine 1400 Grenze Deutschland in Ost und West. Auf der einen Seite die kommunistische DDR unter Einfluss der mittlerweile untergegangenen Sowjetunion. Auf der anderen Seite die Bundesrepublik Deutschland. Hier übten die anderen drei Sieger des Zweiten Weltkriegs – USA, Großbritannien und Frankreich – ihren Einfluss aus. Von der Ostsee im Norden bis in den östlichsten Zipfel Nordbayerns verlief diese Grenze – die für den Tod Hunderter Menschen verantwortlich ist.

Was hat die Teilung für Deutschland und insbesondere unsere Region Osthessen bedeutet? Die Gedenkstätte Point Alpha liefert Antworten. Sie befindet sich zwischen Rasdorf in Hessen und Geisa in Thüringen, auf einem Abschnitt der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Am 1. April 2019 haben wird, die Geschichts-AG und die Klasse 9I der Hünfelder Wigbertschule, diese Gedenkstätte besucht.
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Heute ist Deutschland vereint. Und auch wenn im Osten noch immer nicht überall die gleichen Lebensbedingungen wie in vielen westdeutschen Regionen herrschen, die Grenze wünschen sich die Wenigsten zurück. Ein tolles Symbol für diese Einheit ist der Startpunkt unseres Besuchs von Point Alpha.

Los ging’s direkt an einem runden Tisch direkt beim „Blauen Haus“ beziehungsweise dem „Haus auf der Grenze“, in dem sich eine Ausstellung zur innerdeutschen Grenze befindet. Den Tisch schmückt eine Kompassrose. Im ihn herum stehen 16 Hocker. Sie zeigen in die jeweilige Richtung, in der sich die 16 Bundesländer befinden. Daneben: die blaue Friedensspirale. Auf ihr steht das Wort „Frieden“ – auf Russisch, Englisch und Deutsch. Symbol für das Verbindende.
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Warum nennt sich dieser Ort Point Alpha? Die Antwort haben wir gut 600 Meter östlich von der Friedensspirale gefunden. Entlang an Resten von Grenzzäunen und einem früheren Wachturm der DDR vorbei sind wir den ehemaligen Kolonnenweg entlanggelaufen. Ziel: ein früheres US-Camp. Name: Point Alpha.

Anfangs gab es dort nur Zelte. Nach und nach wurden Wellblechbaracken aufgebaut. Ab 1972 entstanden massive Gebäude. Drei Baracken, dazu eine Kfz-Halle mit Tankstelle sowie Wachturm und Munitionsbunker. Das Tor am Eingang war rund um die Uhr besetzt. Damals hatten nur Angehörige der amerikanischen Streitkräfte Zutritt zum Camp. Was sollte das Ganze?
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Das US-Camp lag an einem strategisch wichtigen Punkt. Hier erwartete die NATO, ein Verteidigungsbündnis der Westmächte, im Ernstfall einen ersten Angriff von Truppen des Warschauer Pakts. Dieser Pakt ist ein militärischer Beistandspakt des Ostblocks unter Führung der Sowjetunion gewesen. Also im Prinzip das östliche Gegenstück zur NATO.

Warum aber hat die NATO ausgerechnet zwischen Rasdorf und Geisa einen ersten Angriff erwartet? Ganz einfach: Hier ragte und ragt Thüringen am weitesten in Hessen hinein. Ein Vorstoß wäre hier am leichtesten möglich gewesen.
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Von Point Alpha aus beobachteten die US-Soldaten das Treiben an der Grenze. Sie hatten einen guten Blick in Richtung Osten – und auf ihre Beobachter aus der DDR. Vielleicht 150 Meter vom Camp entfernt steht noch heute ein Turm, den die DDR während der Teilung als Wachturm genutzt haben. Die verfeindeten Soldaten konnten sich täglich sehen.
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Die Zeit der Teilung und des Kalten Kriegs, während dem der Konflikt zwischen Ost und West täglich eskalieren konnte, ist eine sehr angespannte in Deutschland gewesen – besonders in Osthessen. Ist die Vorstellung von einem „heißen“ Krieg, also einem mit Waffen, nicht nur aus Drohungen bestehend, schlimm genug, trieb die Menschen in unserer Region eine noch größere Sorge um.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten Länder aus Nato und Warschauer Pakt ihre Atomwaffenlager ordentlich aufgerüstet. Immer wieder ist die Rede vom Drücken auf den „roten Knopf“ durch einen Machthaber, der einen Atomkrieg auslösen würde, die Rede gewesen.
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Tatsächlich hatte der Einsatz von Kernwaffen in den taktischen Rollen der Militärs eine Rolle gespielt. Für die Region um Fulda hätte das kaum vorstellbare Folgen gehabt. Auf ihrer Website zitiert die Point Alpha Stiftung einen Bericht über das so genannte Fulda Gap wie folgt: „Östlich neben der hessischen Stadt Fulda, nahe der innerdeutschen Grenze gelegen, war er einer der waffenstarrendsten Punkte der Erde. Und er war einer der wenigen Punkte, wo fast mit Sicherheit Kernwaffen zum Einsatz gekommen wären, wenn der Kalte Krieg heiß geworden wäre.“

Und weiter: „Beide Seiten hatten Pläne, in der Bresche taktische Kernwaffen einzusetzen. Die Amerikaner hätten sie eingesetzt, um Panzer-formationen, Nachschub- und Hauptquartiereinheiten zu zerstören. Die Sowjets hätten sie eingesetzt, um sich einfach den Weg durch amerikanische Verteidigungslinien freizusprengen. Beide Seiten hatten Atomraketen mit geringer Sprengkraft und Artillerie, aber die Amerikaner hatten zusätzlich nukleare Minen, die am besten als 5000-mal so zerstörerisch wie reguläre Landminen zu beschreiben sind und obendrein noch mit radioaktivem Niederschlag den Tod bringen.“
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Ein Schreckensszenario, das zum Glück nie Realität geworden ist. Realität geworden ist allerdings der Tod Hunderter Menschen durch die Grenzsicherung der innerdeutschen Grenze. Viele sind beim Versuch der Flucht von der DDR in die Bundesrepublik gestorben. Allein an der Berliner Mauer starben mehr als 100 Menschen beim Fluchtversuch. Außerdem kamen Grenzsoldaten und Menschen ohne Fluchtabsicht ums Leben.
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Über die Jahre wurde die Grenze zunehmend unüberwindbar. Selbstschussanlagen zielten auf die Flüchtlinge. Minen versteckten sich im Gelände in Zaunnähe. Der ist im Bereich des ehemaligen Kolonnenwegs bei Point Alpha 3,80 Meter hoch gewesen. Zudem ist er 50 Zentimeter tief in der Erde verankert gewesen. Die Bürger der DDR sollten nicht durch selbst gegrabene Tunnel fliehen können.
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Auch bei Point Alpha versuchen DDR-Bürger in den Westen zu fliehen. Einer, dem die Flucht dort gelungen ist, heißt Berthold Dücker. Die Fuldaer Zeitung hat 2017 die Geschichte des späteren Journalisten erzählt.

Dücker ist 16 Jahre, als er flieht. 1964 ist das gewesen. Die Grenze ist noch nicht derart aufgerüstet und gegen Flüchtlinge gewappnet wie in folgenden Jahrzehnten. Mit einer Kneifzange trennt Dücker den Grenzzaun auf. Die Flucht ist lebensgefährlich. Der 16-Jährige muss sich den Weg auf den mit Minen gespickten Todesstreifen bahnen, erst dann ist er in Freiheit.

Für diese Freiheit hat Dücker als Teenager seine Heimat Geismar, fünf Kilometer von Geisa entfernt, und seine Familie verlassen. Er hat eine Entscheidung getroffen, zu der heute kein junger Deutscher mehr gezwungen ist.
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Hintergrund: Das ist Point Alpha

Wigbertschüler besuchen die Ausstellung bei Point Alpha
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Die Gedenkstätte Point Alpha ist in ihrem Gesamtkomplex ein unvergleichbares Zeitzeugnis und ein einzigartiger Lernort der Geschichte. Hier standen sich die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt vier Jahrzehnte lang Auge in Auge gegenüber. Point Alpha präsentiert am authentischen Ort die Konfrontation der beiden Machtblöcke, den Aufbau der Grenzanlagen mit ihren Sicherungselementen, aber auch militärische Abläufe sowie das Leben an und mit der Grenze aus der Sicht der Bevölkerung. Der Observation Post „Point Alpha“ war bis 1989 einer der wichtigsten Beobachtungsstützpunkte der US-Streitkräfte in Europa und galt im Kalten Krieg als einer der heißesten Punkte.
 
Drei große Dauerausstellungen mit Medienstationen und Audioguides, die original erhaltenen Grenzanlagen und Rekonstruktionen der Grenze in früheren Jahrzehnten sowie das Gelände des ehemaligen US-Camps Point Alpha, machen die Geschichte des authentischen Ortes sichtbar, erlebbar und begreifbar. Das Mahnmal und Kunstwerk „Weg der Hoffnung“ regt zum Nachdenken und diskutieren an.
 
Haus auf der Grenze
Im „Haus auf der Grenze“ finden Sie im Erdgeschoss eine Dauerausstellung, die sich stark mit der Entwicklung des Grenzregimes der DDR und dem Leben der Bevölkerung an und mit der Grenze auseinandersetzt. Eingewoben ist diese Darstellung mit der Entwicklung des Kalten Krieges und der Teilung der Welt in zwei Machtblöcke und dessen Ende.Neben der Dauerausstellung befindet sich auf der Empore in einer weiteren Sektion die Ausstellung „Freiheiten“ mit der multimedialen Darstellung der Friedlichen Revolution und ihres gewaltlosen Kampfs um Freiheit und Bürgerrechte. Zusammen mit dem „Weg der Hoffnung“ im Außengelände würdigt sie die Ereignisse der Friedlichen Revolution und der gesamteuropäischen Freiheitsbewegung. Das authentische Ton - und Bildmaterial macht die Dramatik und Dynamik des gesellschaftlichen Umbruchs im Jahr 1989 wieder lebendig. Ebenfalls auf der Empore widmet sich ein weiterer Ausstellungsteil dem "Grünen Band" und dem Biosphärenreservat Rhön, wobei auch besondere Tier- und Pflanzenarten der Region vorgestellt werden.

US-Camp
Im US-Camp trifft der Besucher auf die authentische militärische Anlage und militärische Geräte aus der Hinterlassenschaft der US-Streitkräfte. Zwei Dauerausstellungen sind in den beiden ehemaligen Unterkunftsbaracken untergebracht. Beide ergänzen die Dauerausstellung im „Haus auf der Grenze“. In der Baracke A werden neben der Geschichte und Entwicklung des US-Beobachtungsstützpunktes die zeitgeschichtlichen Höhepunkte des Kalten Krieges gezeigt. Ein Modell stellt die damals reale militärische Konfrontation zwischen NATO und Warschauer Pakt nach und macht so deutlich, welch reale Gefahr für einen heißen Krieg in der Region des sogenannten Fulda Gap herrschte. Originale Militärausrüstungsgegenstände sowie Angriffs- und Verteidigungspläne ergänzen die Ausstellung.   In der Baracke B befindet sich seit Oktober 2017 die Ausstellung "Everyday Life" Deutsch-Amerikanischer Alltag im 'Fulda Gap' im Schatten des Kalten Krieges. Erstmals wird mittels einer modernen, multimedialen Ausstellung das Zusammenleben der Menschen in der Bundesrepublik mit den amerikanischen Soldaten im Kontext des Kalten Krieges dargestellt.

Grenzrekonstruktion
Mit der Grenzrekonstruktion im Außengelände erhalten Sie einen unmittelbaren Eindruck von den sich über Jahrzehnte hinweg verschärfenden Grenzsperranlagen. Bildungsangebote für Schulklassen
Für Schulklassen bieten wir unterschiedliche Bildungsangebote und Lernmodule an, die individuell auf die Lernziele der Klassen abgestimmt werden können. Zudem besteht im fürstlichen Schloss der Stadt Geisa – der Point Alpha Akademie – die Möglichkeit der Durchführung von Tagungen und Konferenzen. Alle weiteren Informationen und Serviceangebote für Ihren Aufenthalt finden Sie auf unserer Homepage. Ob interessierter Einzelbesucher, Familie, Reisegruppe oder Schulklasse, wir freuen uns auf Sie und Ihren Besuch in der Gedenkstätte Point Alpha.

(Quelle: Website der Gedenkstätte Point Alpha)

Wigbertschüler besuchen die Ausstellung bei Point Alpha
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Der Fall der Mauer: DDR-Zeitzeugen im Gespräch

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Marion Kleffel: "Die Unfreiheit in der DDR nicht ständig gespürt"

Klaus Tiller: "Die DDR war ein großes Gefängnis"

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Klaus Tiller: DDR-Zeitzeuge aus Geisa

Ein großes Gefängnis: So hat Klaus Tiller die DDR erlebt. Tiller ist gewissermaßen ein richtiger DDR-Experte. Er hat in diesem Staat von dessen Anfängen bis zu dessen Untergang gelebt. Dass dieser Staat seine Bürger unmenschlich behandelt, sie gefangen hält, das hat der heute 74-Jährige schnell gemerkt. Es ist ein Erlebnis, das in Tillers Gedächtnis viel Raum einnimmt.
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Nach diesem Erlebnis flüchtet Tiller ins innere Exil. Die DDR wird er nie verlassen. Mit ihr anfreunden wird er sich jedoch auch nicht. In der Schule erlebt Tiller, wie seine Lehrer ihn und die Klassenkameraden belügen. Während viele Menschen unter dem System leiden – wer sich dagegen auflehnt, hat mit Strafen zu rechnen – beschreibt die Schule die DDR als Staat, der für seine Bürger nur das Beste will.

Lehrer wäre eigentlich Tillers Traumberuf gewesen, wie er uns auf Point Alpha erzählt. Unter solchen Umständen kam das für ihn jedoch nicht in Frage. „Ich habe mir gesagt, das kannst du nicht machen. Du bist von deinen Lehrern belogen worden, das kannst du mit deinem Gewissen nicht vereinbaren. Du kannst die Schüler nicht zu Atheisten und Kommunisten erziehen.“

Stattdessen wird Klaus Tiller Sozialarbeiter bei der Caritas. Der Beruf führt ihn 1967 von seiner Heimat Bad Frankenhausen nach Geisa – ganz dicht an die Grenze. Dort kümmert er sich um Menschen, die sich im System DDR nicht wohlfühlen. Eine Flucht kommt für Tiller nicht in Frage.
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Durch seine Arbeit bei einer kirchlichen Einrichtung sei er unabhängig von dem DDR-System gewesen, sagt Tiller. Schlimmer Erinnerungen hat der gelernte Sozialarbeiter an den 13. August 1961. In der Nacht zu diesem Sonntag hatte der Chef der Partei SED, Walter Ulbricht, den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze erteilt. Die Mauer in Berlin wird gebaut. Nun war also auch dort die Grenze befestigt. Ausreise aus der DDR in die Bundesrepublik war nicht mehr möglich.

„Für mich war das schlimm“ sagt Tiller. „Jetzt war das letzte Schlupfloch aus dem großen Gefängnis DDR geschlossen, jetzt bist du eingeschlossen und kommt nie wieder raus.“ Wenn er und Bekannte sich getroffen haben, hätten sie sie gesagt, sie würden gerne einmal von Geisa nach Rasdorf. „Das sind nur drei Kilometer. Aber das war nicht möglich. Die hätten mich erschossen.“

Jahrzehnte, im Sommer 1989, später wird Tiller seinen Beitrag am Untergang der DDR leisten.
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Zwei weitere Männer unterstützen Tiller – trotz großer Angst. Was ist, wenn die Stasi sie erwischt? Drohen dann Gefängnis, Folter, stundenlange Verhöre?

Anfangs ziehen etwa 50 Menschen demonstrierend durch Geisa. Zu jeder Demo kamen mehr Leute. „Zum Schluss sind wir 3000 gewesen“, sagt Tiller. Die Polizei der DDR lässt sie gewähren. Solche Demos gab es damals von vielen Städten. Die Bürger erkämpften sich friedlich die Freiheit, rangen das System nieder.

Im November 1989 öffnet die DDR die ersten Grenzübergänge in die Bundesrepublik. In den Tagen darauf folgen weitere. Die Mauer, die innerdeutsche Grenze fallen.
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Marion Kleffel: DDR-Zeitzeugin aus Gehaus

Wie ist es, in ein System wie die DDR hineingeboren zu sein? Merkt man als dann überhaupt, dass in einem solchen Staat einiges nicht rund läuft? Oder empfindet man als Mensch das Leben dort als das Normalste auf der Welt?

Marion Kleffel weiß es. Sie wurde am 28. Dezember 1959 geboren, lebte lange in Oechsen und seit 1982 in Gehaus, nicht wie von Geisa entfernt. „Bis zu einem bestimmten Alter macht man sich über Politik keine Gedanken“, sagt sie. „Ich habe mich erst einmal nicht eingesperrt gefühlt. Das Leben in der DDR war für mich bis zu einem bestimmten Punkt normal.“

Mit zunehmender Reife habe sie realisiert, dass das, was in der DDR abläuft, nicht immer so war wie man sich das vorgestellt habe. „Reisen, Meinungsfreiheit, alles ist eingeschränkt gewesen. Man hat das aber nicht ständig gespürt.“ Dass das Leben in der DDR ein unfreies ist, wurde Marion Kleffel erstmals im Alter von elf Jahren deutlich.
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Während ihres Lebens in der DDR hat Marion Kleffel den Eindruck gewonnen, dass es von Vorteil sein konnte, auf dem Land und nicht in der Stadt zu wohnen. „Dort ist, wenn man eigene Tiere und einen Garten hatte, die Versorgung mit Lebensmitteln besser gewesen. Auch konnte man auf dem Land eher mal den Mund aufmachen, ohne dass etwas passiert ist. In der Stadt ging das weitaus schneller.“ An die Zeit der Wende erinnert sich Kleffel bildhaft.
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Wurde die Wende Anfangs von fast allen Bürgern der DDR bejubelt, machten sich relativ schnell die Nachteile bemerkbar. Die Wirtschaft des Staates hat sich auf dem Boden befunden. Die Unternehmen konnten mit der Konkurrenz aus dem Westen nicht mithalten. Ihre Produkte genügten häufig nicht den Weltstandards und sind zudem überteuert gewesen.

Viele Menschen in den nun neuen Bundesländern wurden n den folgenden Jahren arbeitslos. Auch Marion Kleffel, gelernte Facharbeiteren für Schreibtechnik. „Ich habe am 2. Juni 1999 meinen Job verloren. Die Abteilung, in der ich gearbeitet habe, wurde geschlossen. Alle 14 Personen, die dort gearbeitet haben, wurden arbeitslos.“

Seit 2010 arbeitet Marion Kleffel wieder durchgängig. Zuvor haben sich Zeiten mit und ohne Job abgewechselt. Wie beurteilt Kleffel die Wiedervereinigung rückblickend? Ist sie ein Erfolg für sie?
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Präsentation

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