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“Die Grasmücken”: Liebeserklärung einer Familienband an die Rhön

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Rhön, Mundart

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Schroffe Felsen, sattgrüne Wiesen, dichte Wälder: Wenige Autominuten von Fulda entfernt erstreckt sich die Rhön. Das Mittelgebirge verbindet Hessen, Thüringen und Bayern. Es ist der Ruhepol unserer Region. Klare Luft streichelt die Lunge. Die Augen entspannen, während sie die hügelige Landschaft abtasten. Das permanente Rauschen des Verkehrs verstummt nahezu. Diesen Ruhepol nennt die Familienband “Die Grasmücken” ihr Zuhause.

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“Die Grasmücken”, das sind Matthias, sein Sohn Jonathan und sein Neffe Tobias. Sie haben sich dem Bluegrass verschrieben, einer Art us-amerikanischer Volksmusik. Matthias ist der Frontman der Truppe, steht am Mikro, singt die meisten Texte auf Rhöner Platt und greift zur Gitarre. Sohn Jonathan zupft den Kontrabass, Tobias streicht die Saiten der Geige.

Vor gut 20 Jahren ging es für die Band richtig los. Damals in nahezu komplett anderer Besetzung als heute. Die Musiker haben seitdem einen kleinen Hype erlebt, aber auch ein Jahr geprägt von Auftritten, die sie nicht gerade kalt gelassen haben.

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Die Wiege der “Grasmücken” sind die Milseburg und eine Wiese bei Kleinsassen unterhalb des gut 800 Meter hohen Bergs. “Das ist der Ort der Eingebungen, was Songtexte und Musik angeht”, sagt Matthias. “Die Nacht am Lagerfeuer ausklingen lassen. Da kann man es hier schon aushalten.”

Matthias hat das schon immer gemacht, die Seele auf dieser Wiese baumeln lassen. Selbst, als das Fleckchen noch kein ausgewiesener Grillplatz gewesen ist. “Ein schöner Ort halt”, wie Matthias sagt.

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"Kein kulinarisches Event"

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In der Nähe der Wiese unterhalb der Milseburg schleicht ein Bächlein zwischen Felsbrocken durch. Blätter treiben auf dem Wasser. Fische allerdings sind nicht zu sehen. Als Matthias ein Kind gewesen ist, hat das noch anders ausgesehen. Er und seine Kumpels haben damals Forellen gefangen und sie am Stock über dem Lagerfeuer gegart. Einmal haben sie sich auf ein nicht sonderlich leckeres Fischexperiment eingelassen.

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Die Flucht aus dem Internat

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Beton und Asphalt: "Ich könnt's nicht!"

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1997 haben “Die Grasmücken” ihren ersten echten Gig. Kunstwoche in Kleinsassen. Matthias, seine Schwester Edith, sein Schwager Dirk und der Großvater zocken “bei Schmidts im Hof, unter dem Lindenbaum”. Jonathan und Tobias sind zu dieser Zeit noch außen vor.

“Ich habe schon mit 16 daheim ein bisschen auf der Gitarre rumgeklimpert”, sagt Matthias. Erst auf einer alten, auf die er später neue Saiten aufgezogen hat, später auf einer Konzertgitarre. “Ich habe ‘Blowing in the wind’ von Bob Dylan gespielt, bis es mein Vater nicht mehr hören konnte.”

“Als es bei uns richtig losging, gab es fast schon einen kleinen Hype”, sagt Frontman Matthias. “Mundart und das Biosphärenreservat Rhön waren richtig im Kommen. Da war das der absolute Kracher.”

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"Die Frösche müssen auch irgendwoher kommen"

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Alles auf die Karte "Grasmücken" setzen und den Versuch starten, Profimusiker zu werden? Damals hat Matthias mit dem Gedanken gespielt - und sich dann doch nicht getraut.

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In den folgenden Jahren wachsen Jonathan und Tobias nach und nach in “Die Grasmücken” rein. “Ab ‘99, im Alter von elf, zwölf Jahren, haben wir daheim mitgespielt und bei Auftritten zwei, drei Lieder”, sagt Jonathan. “Wir waren der Brüller des Abends. Kleine Jungs mit alten Instrumenten.”

Zwei Jahre später steigen die beiden komplett in die Band ein. Edith und Dirk haben Nachwuchs bekommen und verlassen die Truppe. Gleich das erste Jahr wird für die Neuen ziemlich knackig.

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Trotz allem: Für das Trio sind “Die Grasmücken” ein tolles Hobby. Jonathan und Tobias konnten sich durch die Auftritte schnell eigene Instrumente leisten, ohne jobben gehen zu müssen.

“Es hat eigentlich nur positive Aspekte”, sagt Tobias. “Uns verbindet nicht nur die Musik, wir sind auch Family. Wir würden auch Zeit miteinander verbringen, wenn wir keine Musik machen würden.”

Ohnehin sind solche absoluten Stressjahre nicht die Regel. Dieses Jahr zum Beispiel hat erst langsam Fahrt aufgenommen. Und ein anderes Jahr ist der Band nicht wegen der Anzahl sondern wegen der Art der Auftritte in Erinnerung geblieben.

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Mittlerweile haben “Die Grasmücken” fünf Alben aufgenommen. Das jüngste im eigenen Wohnzimmer. Zuletzt haben sie zwei Tracks in einer Scheune in Elters eingespielt.

Sie gehört einem Freund der Band. “Unser Tontechniker sagt, hier wäre eine tolle Akustik”, sagt Matthias.

In der analogen Zeit ist die Band für Aufnahmen nach Fulda in ein Tonstudio gefahren. “Das war natürlich mit Kosten verbunden und das Schneiden ist sehr aufwendig gewesen. Weil wir keine Profis sind, klemmt es hier und da mal.”

Ob nun analog oder digital, so richtig wohl fühlt sich der Frontman im Tonstudio nicht. Es ist ein wenig sein Angstgegner.

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Wie geht’s mit den “Grasmücken” nun weiter? Werden sie doch noch irgendwann Vollprofis, die von ihrer Musik leben können?

“Momentan habe ich das Gefühl, dass wir wieder im Aufwind sind”, sagt Jonathan. “Auch dank unserer Managerin Deirdre. Die hat ein Händchen für Social Media und sie hat Geschäftssinn.”

“So weit zu gehen, dass wir Vollprofis werden, ist schwierig”, sagt Jonathan. “Da muss die Nachfrage schon groß sein, damit man so ‘nen Schritt wagen kann. Das seh’ ich jetzt so unmittelbar nicht.”

Eins ist klar: Als Profimusiker wird aus dem Hobby ein echter Job. Möglich, dass der Spaßfaktor, der dem Trio so wichtig ist, dann irgendwann ein Stück weit verschütt gehen würde. In den kommenden Jahren aufzuhören, können sich "Die Grasmücken" aber auch nicht vorstellen.

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Eine Reportage von move36-Reportage
Redaktion, Text und Schnitt: Sascha-Pascal Schimmel
Kamera, Ton und Technik: Joscha Reinheimer



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